Der 2. Preis für den „Dümmsten Brief aller Zeiten“ geht an den ÖJV Sachsen e.V.

Auszeichnung 2: JUN.i Institut vergibt den „Silbernen DüBraZ“

In unseren vorhergehenden Beitrag veröffentlichten wir das Schreiben des Ökologischen Jagdvereines Sachsen e.V. (ÖJV) an die sächsische Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Hierzu haben wir in diesem Beitrag bereits eine erste Reaktion des Landesjagdverbandes Sachsen e.V. veröffentlicht.

Nun ereilte uns die nachfolgend als Zitat aufgeführte Mailnachricht. Mit Genehmigung des Autors möchten wir diese Ihnen nicht länger vorenthalten. Wenn die Sachlage um den Tierschutz im Freistaat nicht so prekär wäre, könnten man über die vergebene “Ehrung” an den ÖJV schmunzeln. Nein, diese gibt vielmehr Anlass  zum Nachdenken und zum Handeln, jagdlichen Frevel, selbst wenn es nur um “Planungen” geht, nicht nur anzuprangen, sondern auch von den Strafverfolgungsbehörden untersuchen zu lassen. Das Agieren (hier kommt es nicht auf die Satzung des Vereines an) solcher Vereine kann durchaus als krassen Widerspruch zum Grundgesetz dieses Landes verstanden werden.

Dabei könnte man eigentlich die Sorge um die Ausbreitung der ASP durchaus verstehen, wenngleich das sächsische Staatsministerium überhaupt nicht verinnerlicht hat, dass die Ausbreitung der ASP Ursachen im menschlichen Fehlverhalten (Verbringen von Schlachtabfällen und Kadavern in der Natur und das Nichteinhalten von säuchenhygienischen Vorschriften in der Massentierhaltung uvm.) zu suchen sind. Die unsägliche industrielle Mast von Tieren und der zügellose europäische Handel von Fleisch- und Wurstwaren ist dabei der vielgeprießene Helfer für die Ausbreitung von Tierseuchen. An dieser Stelle ist das sächsische Staatsministerium völlig blind und taub, entweder aus Unkenntnis, Dummheit oder vorsätzlichen Handelns.

Zum Anderen sollte man zu Corona-Zeiten auch einmal kritisch hinterfragen, warum denn ein Staatsbetrieb Gesellschaftsjagden veranstaltet (aus Gründen der Seuchenprävention sind Gesellschaftsjagden erlaubt), wenn denn die Jagd auf Schwarzwild gar nicht deren primäres Ziel ist (Beachtung der jagdlichen Freigaben). Werfen wir doch auch einmal auf die Freigaben (alle Wildarten in allen Altersklassen sind frei –  so die bekannte und übliche Formel ) und die Strecken der letzten Jahre. Alles jagdliche Bemühen des Staatsbetriebe richtet sich auf die Ausrottung des Reh-, Rot- und Muffelwildes mit der Begründung – weil eine “Wald”erneuerung (gemeint ist eigentlich immer die Plantagenwirtschaft) nur ohne wiederkäuendes Schalenwild zu machen sei. Dies ist schon lange nicht mehr zu leugnen und wird auch öffentlich so eingeräumt. So ereilte uns auch die Nachricht, dass zu einer der letzten Drückjagden im Steinbacher Revier wohl ca. 42 Stück Rotwild erlegt wurden (Streckenliste ist leider nicht öffentlich transparent, das obwohl der Eigentümer des sächsischen Waldes, das sächsische Volk, einen Anspruch darauf hätte), und dann lagen auf der Strecke wohl auch überwiegend Alttiere.

Vorgeschoben wurde wie üblich die ASP! Was soll das? Liegen hier bei einer solchen Jagd bereits ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor, weil eine solche Massenliquidierung von Rotwild mitnichten ein vernünftigen Grund darstellen kann, zumal es über die tatsächlichen Wildbestände weder ein Monitoring noch Wildzählungen mittels Wildkameras gibt, noch niemals gegeben hat. Abschüsse in solch hoher Zahl können territorial bestandsgefährend sein, aber wenn nicht gezählt wird, was dann? Bestand sei genug da …. sagt man.

Nun zurück zur Preisverleihung:

Die Ehre, den dümmsten Brief aller Zeiten geschrieben zu haben, herrscht einiges Gedränge. Den 2. Preis räumt der ÖJV Sachsen e. V. ab.

Der hat zur Sitzung des ASP-Krisenstabes einen Brief  an das zuständige sächsische Ministerium gesandt, der neben den bei diesen Organisationen oft üblichen Deutsch- und Grammatikfehlern Vorschläge enthält, die nicht nur dämlich, sondern dazu auch noch skandalös sind.

Das große Vorbild dieses Vereins, der sich in ÖKjV (Ökologischer Kammerjägerverein) umbenennen sollte – will er doch die „Jagd“ durch „Schädlingsbekämpfung“ ersetzen ! – ist die Tschechische Republik, die nach den Angaben dieser Kammerjäger militärisch gegen das Schwarzwild vorgegangen ist mit dem schönen Ergebnis: „Letztendlich konnten die Schwarzwildbestände damit eliminiert werden“.

Eliminiert“ ist vornehm für „ausgerottet“, oder?

Die tschechischen Methoden schildern die Kammerjäger freudig wie folgt: „Die Erlegung der Sauen wurde von Armee und Polizei mit allen zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmitteln gewährleistet. Dazu wurde das Reviersystem praktisch abgelöst und die Staatsbediensteten beauftragt, die Schwarzwildbestände zu eliminieren. Den Staatsbediensteten stand dazu umfangreiche militärische Wärmebildtechnik sowohl auf der Waffe zum Schießen als auch zum Aufklären (wo sich Schwarzwild aufhält) aus Fahrzeugen, Drohnen und Hubschrauber zur Verfügung“.

Die Möglichkeiten für Sachsen gehen unsere ÖKjV-Leute zunächst etwas bescheidener aber nicht minder grauslich – und de lege lata grob rechtswidrig, ja sogar verfassungswidrig (Art. 20a GG) – an und schlagen vor: „Im Bereich des ASP Ausbruches sollte unverzüglich der Tierschutz ausgesetzt werden. Damit würde § 22 BJagdG zum Schutz der Muttertiere ebenfalls ausgesetzt…. Im restlichen Gebiet des Freistaates Sachsen sollte die fahrlässige Tötung von führenden Bachen zur Ordnungswidrigkeit herab gesetzt werden, welche durch die Unteren Jagdbehörden verfolgt werden kann“.

Und dann, nach der Bitte um hohe Abschussprämien und Wildbretübernahme und einiger Dummerhaftigkeiten mehr, kommts verschämt aber deutlich: „Falls die Abschusszahlen in den von der ASP betroffenen Regionen nicht zügig deutlich ansteigen, sollte auch in Sachsen das Reviersystem aufgehoben werden. Es hat sich bei unseren Nachbarn gezeigt, dass erst professionelle polizeiliche und militärische Unterstützung das Schwarzwildproblem auflösen konnte“.

Also bitte mal ranPolizei, Grenzschutz, Bundeswehr mit Drohnen, Nachtzieltechnik und Automatikwaffen! Da graust es der Sau dann wirklich. Uns aber auch!

Lesen Sie selbst. Jäger schießen angeblich zu schlecht und müssten schärfer ausgebildet werden, bevor sie überhaupt einen Jagdschein erhalten; für die ASP-Bekämpfung taugen sie nichts (ausser den Ökos natürlich!)..

Am Schluss lassen unsere ASP-Experten dann die Katze aus dem Sack:

In die Weiterbildung der Jäger sollte mehr investiert werden…. Hier kann der ÖJV Sachsen mit seinem Partnerverband in Brandenburg unverzüglich Aufgaben mit übernehmen und den Freistaat Sachsen unterstützen…. Wichtig ist hierfür aber eine Förderung zu 100 %. Die bisher vom ÖJV Sachsen angebotenen Kurse und Seminare (Schießtraining, Winterkolloquium, Hundeseminare, Waffentechnik) werden nur zu 80 % gefördert,…

M. a. W.: Die Herren (und Damen) des ÖJV – in Sachsen sind´s ca. 100 Mitglieder dieser Gurkentruppe (!) – möchten gern an die Staatsknete ran!

Dafür sind sie bereit, und empfehlen das sogar ihrem Ministerium, unter Bruch des geltenden Rechts alle Grundsätze der Jagdethik sowie der Tierethik und des Tierschutzes über Bord zu werfen (die sie wahrscheinlich aber schon vorher nicht kannten!).

Nur mal am Rande: Grundsätzlich ist die ASP eine natürliche Auslese einer zu hohen Population, tötet (oder immunisiert) rasch und lokal begrenzt und ist für den Menschen und den menschlichen Verzehr unbedenklich. Der Hauptgrund für ihre strenge Bekämpfung ist der Schutz der heimischen Schweine-Industrie; bei dem Ruf und den oft angewandten Methoden dieses Erwerbszweiges kein sehr hehres Ziel! Und dafür sollen Jäger mit technischen Hilfsmitteln und erhöhtem Einsatz Sonderopfer größeren Ausmaßes bringen und der Steuerzahler auch noch für die staatlichen (und nach dem dämlichen Brief polizeilichen und militärischen) Kosten aufkommen, von denen diejenigen, die am Schweinefleisch verdienen, nix, aber auch garnix, selbst übernehmen.

Etwas mehr Augenmaß und Gelassenheit bitte!!!

Aber die ASP ist halt ein beliebtes Feld für dümmliche und andere Profilierungsversuche. Schön nur, dass sich in unserer freiheitlichen Grundordnung jeder Hanswurst zum Horst machen kann, denn „an ihren Früchten kann man sie erkennen“!

Dr. Wolfgang Lipps

 

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