ASP – Informationen zur aktuellen Entwicklung – Stand 17.04.2020

Aktuelle Medieninformation zum Download:

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt hat am 16.04.2020 neue Informationen zur Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest veröffentlicht, welche wir euch hier zur Verfügung stellen möchten.

Wichtige Informationen und Dokumente zum Download:

Weitere Informationen zur Prävention
Allgemeinverfügung zur Probennahme bei nicht krank erlegtem Stück Schwarzwild
Allgemeinverfügung zur Entsorgung Fall- und Unfallwild, krank erlegte Stücke Schwarzwild

4-9156-15/14
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir hatten mit Schreiben vom 25.03.2020 und 31.03.2020 bereits über die jüngsten ASP-Entwicklungen in Westpolen informiert, das heißt über den ersten ASP-Fall bei Hausschweinen im Ausbruchsgebiet sowie über das Heranrücken eines ASP positiven Wildschweines bis auf 10.5 km an die sächsische Grenze heran.

Vor diesem Hintergrund möchten wir Sie um Ihre Unterstützung bei der Umsetzung der heute in Kraft getretenen weiteren Präventivmaßnahmen zur ASP-Früherkennung bitten. Näheres finden Sie in dem beigefügten Schreiben.

Den Wortlaut der im Schreiben erwähnten Allgemeinverfügungen finden nachfolgend als Anlage

und auch auf der Homepage der Landesdirektion Sachsen.

Wir danken für Ihre Unterstützung und verbleiben

mit freundlichen Grüßen
Dr. Sabine Christochowitz
Referatsleiterin
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SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR SOZIALES UND GESELLSCHAFTLICHEN ZUSAMMENHALT
Referat 24 | Allgemeine Angelegenheiten des Veterinärwesens,
Tierseuchenbekämpfung, Tierschutz
Albertstraße 10 | 01097 Dresden
Tel.: +49 351 564-55240 | Fax: +49 351 564-59249
sabine.christochowitz@sms.sachsen.de | www.sms.sachsen.de

Information zum Zugang für verschlüsselte/signierte E-Mails/elektronische Dokumente unter

Information zu Corona unter www.coronavirus.sachsen.de
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Leider gibt es schon wieder eine neue Entwicklung. Am Freitag meldete Polen einen weiteren ASP Wildschweinfund, der nunmehr nur noch ca. 10.5 km von der Grenze zu Sachsen und auch zu Brandenburg entfernt ist.


Sehr geehrte Damen und Herren,

alle Anstrengungen konzentrieren sich aktuell auf die Eindämmung des Coronavirus, gleichwohl werden wir das Tierseuchengeschehen, insbeson­dere zur Afrikanischen Schweinepest, nicht aus den Augen verlieren.

Wir möchten Sie daher über den aktuellen Stand und bisherigen Entwicklun­gen informieren.

ASP- Ausbrüche Haus- und Wildschwein Westpolen Stand: 23.03.2020 11,13 Uhr

Errichtung einer Wildschweinbarriere

Die Errichtung der Wildschweinbarriere erfolgte in vier Abschnitten (Nord, Mitte, Süd, Dreiländereck) und wurde am 6. März 2020 beendet. Der Land­kreis Görlitz hatte mit großen Engagement den Abschnitt Nord errichtet, auf­grund fehlender personellen Kapazitäten übernahm diese Aufgabe am 31.01.2020 kurzfristig das THW. Den konkreten Verlauf können Sie der im Anhang beigefügten Karte entnehmen bzw. elektronisch über das Geoportal Sachsen abrufen.

Die Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Schwarzwildbarriere werden trotz der COVID-19 Einschränkungen bis auf weiteres durch die Landestal­sperrenverwaltung des Freistaates (LTV) durchgeführt.

Weitere Präventionsmaßnahmen

In Westpolen wurde am 21.01.2020 ein ASP-Fall gefunden, welcher nur noch 12 km von der sächsischen Grenze entfernt ist. Polen hat am 18.02.2020 die Restriktionszonen der­gestalt angepasst, dass das gefährdete Gebiet nun unmittelbar an die deutsche Grenze in Sachsen und Brandenburg heranrückte. Diese Gebietsanpassung erfolgte ohne wei­tere – noch näher an die Grenze herangerückte – ASP-Funde.

Der Freistaat Sachsen hat darauf mit einer weiteren Intensivierung der ASP­Prophylaxemaßnahmen reagiert. Mit der Allgemeinverfügung der Landesdirektion Sach­sen vom 24.01.2020 wurde die bisher freiwillige Anzeige von Fallwild, Unfallwild und krank erlegten Wildschweinen in eine Verpflichtung zur Anzeige umgewandelt.

Entschädigungsfragen im Zusammenhang mit ASP

In der Anlage finden Sie eine Orientierungshilfe zu „Amtlichen Maßnahmen und Entschä­digungsfragen” im Falle von ASP. Zielgruppe dieser Übersicht ist der Verbraucher, wir haben dort bereits einige mögliche Fallgestaltungen abgebildet (Ernteverbote, Versiche­rung, Futtermittel in Restriktionsgebiet etc.) Wir werden diesen Überblick auch auf unsere Homepage stellen und bei Bedarf aktualisieren.

Ergebnisse der EUVET-Mission vom 8.- 10. Januar 2020

Wir hatten im Rahmen des letzten Jour fixe berichtet, dass ein ASP-Expertenteam („Eu­ropean Veterinanry Emergency Team”) die Bundesrepublik Deutschland besuchen werde, um den Vorbereitungsstand in Bezug auf einen möglichen Ausbruch der Afrika­nischen Schweinepest zu untersuchen. Nach einer Auftaktveranstaltung gab es Besuche vor Ort in Sachsen und Brandenburg. Nachfolgend seien einige Punkte von grundsätzlich Interesse genannt:

Informationen Thünen-Institut zum Wildschweinmanagement

Statistik zur gewachsenen Wildschweinpopulation: 1956 gab es 7 Wildschweine auf 10.000 ha, im Jagdjahr 2017/2018 dagegen insgesamt 262 Tiere auf die glei­che Fläche.

Es gibt verschiedene Ursachen für die hohen Wildschweinbestände (erhöhter Stickstoffeintrag, bessere Ernährungsbedingungen, geringe Winterverluste, neue Getreidezüchtungen wie Raps ohne Bitterstoffe, Kirrungen, frühe Geschlechts­reife 6-8 Monate).

Möglichkeiten der Erhöhung der Jagdstrecke:

  • Es gibt ca. 12.000 JAB in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern und 13.000 JAB in Brandenburg. Jägerschaft ist engagiert, dies belegen auch die Statistiken der Jagdstrecken
  • mit herkömmlichen Mittel lässt sich Bejagungsdruck nicht beliebig erhöhen (große Schläge/Rapslandschaften laden die Schweine ein, im Feld zu blei­ben)
  • Prämien haben kaum Einfluss auf Jagdstrecke, dies ergibt eine Auswertung der Statistiken der Länder mit und ohne Prämiensystemen); die Wetter- und damit Jagdbedingungen haben einen größeren Einfluss auf die Jagd/Jagd­erfolg der Jagdausübungsberechtigten (JAB).
  • Allein mit der Jagd ist keine Bestandsregulierung möglich. Ideal wäre, wenn die Landwirte die landwirtschaftlichen Flächen nicht bis an den Waldrand zie­hen würden bzw. keine Schläge mit potentiellen Futterpflanzen

Schwarzwildfänge:

  • Auch beim Schwarzwildfang müsse der Tierschutz, der Unfallschutz und die Sicherheit berücksichtigt werden. Indes sei der Tierschutz bei der Fal­lenjagd oft besser als bei Drückjagden, da kurz und schmerzlos.
  • Die kontrollierte Auslösung der Fänge ist eine zwingende Voraussetzung und in Sachsen im Genehmigungsverfahren geregelt – eine Zufallsauslö­sung ist nicht statthaft
  • Das Thünen-Institut hat auf seiner Webseite eine Methodensammlung zum Thema Schwarzwildfänge
  • Die Fallenjagd wird gegenüber dem Einzelansitz als effizient bewertet.
  • Die Fallenjagd ist eine Ergänzung zu Einzel- und Begehungsjagden.

Strategien der Durchführung der Jagd

  • Es dürfe kein „Frischlingstabu” geben, das heißt auch Frischlinge gleich welcher Größe müssten im Hinblick auf die Wildschweinpopulation ge­schossen werden.
  • Die technischen Möglichkeiten der Jagdstreckenerhöhung sind ausge­reizt. Wärmebildgeräte, Licht und auch Schalldämpfer sind spätestens mit dem Inkrafttreten des Waffenrechts ausgereizt.
  • Die Masse der Jagdstrecke stamme aus der Einzeljagd (ca. 80%), ca. 20% kämen aus der Drückjagd (Schätzungen). Welche Jagd wo erfolgrei­cher sei, sei eine Frage der Örtlichkeit. Die Feldflächen bilden das Haupt­feld der Jagd, soweit sie es zulassen.
  • Aus Tierseuchenpräventionsgesichtspunkten stünden wegen der Repro­duktionsfähigkeit die Überläufer/Frischlinge zuvorderst, aber auch das Er­legen von Bachen sei hier angezeigt.

> Schussfolgerungen der EUVET-Experten:

1. Früherkennung ist ein ganz zentraler Punkt der Tierseuchenprävention.

Besonderes Augenmerk gilt dem Fall- und Unfallwild sowie den krank erlegten Wildschweinen – Überblick über die Indikatortiere in Sachsen

  Anzahl       Fallwild,    Unfallwild, krank erlegt Anzahl     gesund erlegt
2017 71 2440
2018 231 2800
2019 444 9500
  • Absolutes Jagdverbot im gefährdeten Gebiet

Absolute Jagdruhe, das gilt für alle Tier­arten und für alle Jagdformen. Die Jagd­ruhe soll solange andauern, wie die epi­demische Phase im Abfallen ist.

Eine Jagd im gefährdeten Gebiet beschleunigt die Endemisierung und ist deshalb zu unterlassen („you cant hunt the virus”) und führt überall dazu, dass die Seuche endemisch wird. Man drückt die Seuche heraus und es entstehen neue Seuchenherde.

  • Jagd in der Pufferzone

In der Pufferzone soll gejagt werden. Ziel muss es sein, dass in der Pufferzone die Abschusszahlen hochgehalten werden (normalerweise gibt es jahreszeitliche Höhe­punkte durch die Drückjagden), der Jagddruck muss beständig hochgehalten wer­den. Jagd von außen nach innen.

Aktuelles Corona-Geschehen und Einzeljagd/Jagdausübung Zweck der Bepro­bung von Fall- und Unfallwild

Das Verlassen der häuslichen Unterkunft zum „Sport und Bewegung an der frischen Luft” gilt als triftiger Grund im Sinne der Bekanntmachung des SMS vom 22. März 2020, Az. 15-5422/10.

  • Die Einzeljagd ist ein „triftiger Grund”, vorausgesetzt, dass sie die Bedingungen des allgemeinen Kontaktverbotes einhält, also sie von Anfang bis Ende aus­schließlich allein oder in Begleitung Lebenspartner/Angehörige des eigenen Hausstandes und ohne jede sonstige Gruppenbildung ausgeübt wird.
  • Auch die erforderlichen Aktivitäten zum Zweck der Beprobung von Fall- und Un­fallwild ist zugelassen. Auch hier gelten die vorgenannten Bedingungen, also un­ter Einhaltung der Bedingungen des allgemeinen Kontaktverbotes.

Die für die Jagd notwendigen Berechtigungen müssen mitgeführt werden, weil diese Ver­pflichtung aufgrund der Regelungen des Bundesjagdgesetzes stets besteht. (§ 15 Bund­jagdgesetz: Wer die Jagd ausübt, muss einen auf seinen Namen lautenden Jagdschein mit sich führen und diesen auf Verlangen den Polizeibeamten sowie den Jagdschutzbe­rechtigen vorzeigen).

Mit freundlichen Grüßen und bleiben Sie gesund.
Dr. Sabine Christochowitz Referatsleiterin

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